Passiflora incarnata ist eine Heilpflanze, die im südöstlichen Teil der USA heimisch ist. Der Passiflora-Extrakt wird oft bei nervösen Unruhezuständen, Schlafproblemen, nervös-bedingten Magen-Darm-Beschwerde, Ängsten und Stress zur Beruhigung eingesetzt. Wie gut Passiflora bei Anspannung wirkt, welche verschiedenen Präparate es gibt und wie deren Wirkung durch Studien belegt ist, zeigen wir in diesem Artikel.

Innere Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit und Stress – Wirkt Passiflora?

Bereits seit mehreren Jahrhunderten werden Extrakte aus der Passiflora zur Behandlung von Angststörungen angewandt. Erstmals in Europ erwähnt wurde Passiflora 1938 in einem Lehrbuch der Biologischen Heilmittel von Gerhard Madaus. Hier wurde besonders die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Passiflora-Extraktes hervorgehoben.
Aber auch in der modernen Medizin wird Passiflora eingesetzt. In Deutschland ist Passiflora-Extrakt zur Behandlung von nervösen Unruhezuständen zugelassen. In der Praxis wird der beruhigende Extrakt darüberhinaus auch bei allgemeiner Anspannung, Ängsten und Stress angewandt. Auch als mild wirkendes Mittel bei Flugangst oder vor Prüfungen kann Passiflora Linderung verschaffen. In Krankenhäusern wird ein Passiflora-Extrakt als Prämedikation vor Operationen angewandt um die Patienten zu beruhigen.

Extrakte der Passionsblume werden sowohl als Monopräparate, als auch in Kombination mit anderen beruhigenden Wirkstoffen wie Baldrian oder Johanniskraut vertrieben und sind unter verschiedenen Markennamen rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Gängige Präparate sind Pascoflair, Kytta-Sedativum, Vivinox Day, Neurapas, Hyperflorin oder Lioran.

Wirkmechanismus von Passiflora

In vielen Fällen wird nervöse Unruhe durch einen Mangel an Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn hervorgerufen. Die genaue Wirkungsweise des Passionsblumen-Extraktes ist noch nicht erforscht, es wird allerdings vermutet, dass Passiflora die Wirkung des Neurotransmitters GABA verstärkt und so einen beruhigenden Effekt erzielt. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die in Passiflora enthaltenen bioaktiven Bestandteile, wie Flavonoide, Protocatechusäure, p-Hydroxybenzoesäure und die ätherischen Öle. Diese sorgen für die krampflösendeberuhigende und blutdrucksenkende Wirkung.

Wie wird Passiflora dosiert?

Die unter verschiedenen Markennamen vertriebenen Passiflora-Extrakte sind in Ihrer Dosierung sehr unterschiedlich. So enthält Neurapas balance, dass zusätzlich noch Johanniskraut und Baldrian beinhaltet, nur 32mg Passionsblumenkraut. Wesentlich mehr enthalten die Monopräparate Kytta Pascoflair, Böhm Passionsblume und Passio Balance. Hier sind als Wirkstoff 425mg Passionsblumenkraut-Trockenextrakt enthalten. Die empfohlene Tagesdosis von 2-3 Tabletten enthält somit 850 bis 1275 mg Passiflora. Etwas geringer dosiert ist das Arzneimittel Passidon, das 260 mg Passionsblumenkraut-Extrakt pro Kapsel enthält.

Übersicht Passiflora-Extrakt-Gehalt gängiger Arzneimittel

ArzneimittelGehalt an Passiflora-Extrakt
je Kapsel / Tablette
max. TagesdosisWeitere Inhaltsstoffe
Neurapas balance32 mg192 mg60 mg Johanniskraut, 28 mg Baldrianwurzel
Kytta-Sedativum80 mg240 mg150 mg Baldrianwurzel, 30 mg Hopfenzapfen
Pascoflair425 mg1275 mg
Lioran260 mg1300 mg
Lioran centra425 mg850 mg
Böhm Passionsblume425 mg1275 mg
Abtei Baldrian + Passionsblume250 mg1000 mg125 mg Baldrian
Vivinox Nervenruhe80 mg420 mg112,5 mg Melisse, 125 mg Baldrianwurzel
Phytostar BMP110 mg660 mg150 mg Baldrain, 125 mg Melisse
Passio Balance425 mg1275 mg
Vivinox Day80 mg420 mg112,5 mg Melisse, 125 mg Baldrianwurzel
Klosterfrau Seda-Plantina110 mg660 mg150 mg Baldrian, 125 mg Melisse
Valeriana Hevert80 mg420 mg125 mg Baldrian, 112,5 mg Melisse
Passidon260 mg1040 mg


Passiflora – Wirksam oder unwirksam? Das sagen Studien.

Passiflora wird traditionell bei verschiedenen angst- und stressbedingten Erkrankungen eingesetzt. Dazu zählen Angststörungen, Nervosität und Schlaflosigkeit. In einzelnen Studien wurde die Wirkung von Passiflora und der Passionsblume bei einzelnen Erkrankungen untersucht.

Passiflora Extrakt

Passiflora und Passionsblume bei Angstzuständen

In einer doppelblinden Studie wurde die Wirkung von Passionsblumen-Extrakt bei einer generalisierten Angststörung mit der Wirkung des Benzodiazepins Oxazepam verglichen[1]. Dabei zeigte sich nach sieben Tagen eine vergleichbar angstlindernde Wirkung von Passionsblumen-Extrakt und Oxazepam. Die Beeinträchtigung des Berufsalltages war allerdings unter der Gabe des Passiflora-Extraktes wesentlich geringer als unter Oxazepam, das dafür eine schneller Wirkung zeigte. Dokumentiert wurde die Abnahme der Angstsymptomatik mithilfe der Hamilton-Angst-Skala. Sowohl unter der Behandlung mit Passiflora als auch Oxazepam sank der durchschnittliche Wert von 20 auf 5 Punkte. Werte zwischen 18 und 24 deuten auf einen mittelschweren Verlauf hin.

Auch bei Angst vor Operationen kann Passionsblumen-Extrakt eingesetzt werden. In einer Studie wurde die Wirksamkeit von Passionsblumen-Extrakt zur Beruhigung vor einer ambulanten Operation untersucht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich 30 Minuten nach Einnahme ein signifikanter Unterschied in der Reduzierung der Angstsymptomatik zwischen dem Passiflora-Extrakt und dem Placebo zeigte.
Zum gleichen Ergebnis kam eine aktuellere Studie bei der Passifllora als Prämedikation vor einer Spinalanästhesie. Auch hier konnte nach 30 Minuten eine statistisch signifikante Verminderung der subjektiven Angstsymptomatik beobachtet werden. [5]

Schlafqualität und Schlafstörungen

Die Untersuchungen zu Passiflora-Extrakt und der Schlafqualität sind durch Studien sehr gut belegt. Die School of Psychology and Psychiatry der Monash University in Victoria, Australien hat dazu eine Studie mit 41 Probanden durchgeführt [2]. Dazu erhielten die Teilnehmer der Passiflora-Studie täglich Tee aus 2g getrockneten ganzen Passionsblumen. Überprüft wurde die Entwicklung der Schlafqualität durch ein Schlaftagebuch sowie eine Polysomnographie in einem Schlaflabor und einen Anspannungstest. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass der Passionsblumentee die subjektive Schlafqualität signifikant verbessern konnte. Die Probanden hatten das Gefühl deutlich besser zu schlafen. Nach Einnahme des Tees am Abend fühlten sich die Teilnehmer zudem entspannter.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Studie des Laboratoire d’Ethnobotanique et de Pharmacologie der Universität Metz in Frankreich. Hier zeigte sich, dass ein hoch dosierter wässriger Passionsblumen-Extrakt eine beruhigende Wirkung haben kann, sowie den Schlaf schneller einleiten. [3]

Weitere Anwendungen im Ausblick

Eine kleine Studie an Versuchstieren deutet daraufhin, dass Passiflora möglicherweise eine blutzuckersenkende Wirkung sowie eine verbesserte Gluckosetoleranz aufweist. Dies könnte zukünftig für eine Anwendung bei Diabetes mellitus sprechen.
Auch zur Behandlung von Depressionen gibt es erste Hinweise zur Wirksamkeit einer kombinierten Anwendung von Passiflora incarnata und Johanniskraut. Hier zeigte sich ein synergetischer Effekt der die therapeutisch notwendige Dosis von Johanniskraut reduzieren konnte.
Auch bei mangelnder Libido wird die Wirkung von Extrakten der Passiflora untersucht. Viele tägliche Angewohnheiten wie zum Beispiel Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss oder Stress können die Spermienanzahl bei Männern negativ beeinflussen und damit auch die Zeugungsfähigkeit. Eine erste Studie mit Passiflora-Extrakt an Tieren deutet darauf hin, dass der Pflanzenextrakt einen positiven Einfluss auf die Sexualität und Zeugungsfähigkeit haben könnte.[6]

Nebenwirkungen von Passiflora und Passionsblume

Auch pflanzliche Medikamente können Nebenwirkungen auslösen. Bei der Einnahme von Passiflora-Extrakt wird die Verträglichkeit, Studien zufolge, aber als gut beschrieben. Da die Passionsblume den Blutdruck senken kann, kann als Nebenwirkung Schwindel oder Benommenheit auftreten. Ausgeprägter sind diese Nebenwirkungen bei Kombinationspräparaten mit Baldrian, Hopfen oder Melisse.
Wechselwirkungen von Passiflora-Extrakt und anderen Medikamenten können nicht ausgeschlossen werden. Möglicherweise kann die gleichzeitige Einnahme mit blutdrucksenkenden oder beruhigend wirkenden Medikamenten zu verstärkten Effekten führen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Passiflora und und Lorazepam wurden unerwünschte Nebenwirkungen wie Überregbarkeit und Zittern beobachtet.
Da die Passionsblume Wehen auslösen kann, sollten schwangere Frauen keine Präparate mit dem Extrakt einnehmen.

Fazit zur Wirksamkeit von Passiflora-Extrakten

Passiflora-Extrakte werden bereits seit vielen Jahren in der Naturmedizin eingesetzt. Die bisher veröffentlichten Studien zeigen, dass ein hochdosierter Passiflora-Extrakt eine wirksame Verminderung von Unruhe, Ängsten und Stress bewirken kann. Die beruhigende und angstlösende Wirkung, sowie die Förderung des Schlafes konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden.

Quellen:

[1] Passiflora for anxiety disorder, L S Miyasaka 1, A N Atallah, B G O Soares Link
[2] A double-blind, placebo-controlled investigation of the effects of Passiflora incarnata (passionflower) herbal tea on subjective sleep quality Link
[3] Behavioural effects of Passiflora incarnata L. and its indole alkaloid and flavonoid derivatives and maltol in the mouse Link
[4] Preoperative oral Passiflora incarnata reduces anxiety in ambulatory surgery patients: a double-blind, placebo-controlled study Link
[5] Passiflora incarnata Linneaus as an anxiolytic before spinal anesthesia Link
[6] Prevention of chronic alcohol and nicotine-induced azospermia, sterility and decreased libido, by a novel tri-substituted benzoflavone moiety from Passiflora incarnata Linneaus in healthy male rats Link

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