Lieber Zahnschmerzen als Zahnarztbesuch. Besser krank bleiben, als beim Hausarzt sitzen. Eher Schmerz ertragen, als ins Krankenhaus fahren. Zahlreiche Deutsche scheuen den Arztbesuch. Sie haben beim bloßen Gedanken an Mediziner regelrechte Angst. Woran liegt die Panik und lässt sie sich beheben?

Während der Coronakrise ist die Angst vor Arztbesuchen verbreiteter denn je. Viele Menschen fürchten sich davor, in Kliniken oder Wartezimmern auf Infizierte zu treffen. Obwohl auch diese Befürchtung aufgrund strikter Hygienemaßnahmen mittlerweile unberechtigt und irrational ist, lässt sie sich angesichts der aktuellen Pandemie zumindest nachvollziehen. Bei einer Iatrophobie, der Arztphobie im eigentlichen Sinne, lässt sich die Panik dagegen nicht mehr an bestimmten Situationen festmachen. Vielfältige Ursachen kommen als Auslöser in Frage.

Angst oder Phobie?

Ein flaues Gefühl in der Magengrube ist längst keine Phobie. Geht jemand ungern zu Ärzten, muss das längst nicht auf eine Iatrophobie hinweisen. Angenehm sind Arztbesuche selten. Daher sind die wenigsten Menschen vom Gedanken an Arztpraxen und Kliniken begeistert. Eine Iatrophobie charakterisiert sich nicht durch ein ungutes Gefühl vor Arztbesuchen. Viel mehr vereinbaren Menschen mit einer solchen Angststörung trotz Beschwerden keine Arzttermine und nehmen statt Behandlungen lieber gesundheitliche Risiken in Kauf. Abzugrenzen ist von einer echten Arztphobie außerdem die Telefonangst. Patienten mit letzterer fürchten nicht den Arztbesuch an sich, sondern den Weg der Kontaktaufnahme. Sie haben jedoch mittlerweile in vielen Praxen die Möglichkeit, online Termine zu vereinbaren. Obwohl die digitale Terminvereinbarung auch Menschen mit Arztphobie entgegenkommen kann, nehmen sie vereinbarte Termine ohne weiterführende Maßnahmen oft nicht wahr. Oft äußert sich die phobische Störung in Form von Beschwerden wie sozialem Rückzug, Konzentrationsschwierigkeiten, Appetitlosigkeit und Gereiztheit.

Gegen normale Ängste vor dem Arztbesuch helfen etwaige Maßnahmen, die den Ursachen für wie auch immer geartete Stresszustände entgegenwirken. Neben Entspannungsübungen wie Autogenes Training und Meditation kommen beruhigende Tees aus Heilpflanzen wie Lavendel zur Linderung in Frage.

Woher kommt krankhafte Angst vor dem Arzt?

An einer echten Arztphobie leiden innerhalb der Bundesrepublik laut Berufsverband der Allgemeinärzte zwei Millionen Menschen. Anders als viele andere krankhafte Ängste, ist Iatrophobie relativ gut behandelbar. Vor allem, wenn sich Patienten der Ursache bewusst sind. Zu den verbreitetsten Auslösern der Phobie zählen traumatische Arzterfahrungen, beispielsweise in der Kindheit. Zahlreiche Patienten mit krankhafter Arztangst haben

  • langwierige Krankheitsgeschichten durchgemacht.
  • zurückgelegene Fehldiagnosen oder unnötige Behandlungen erlebt.
  • Kontakt zu Ärzten mit wenig Einfühlungsvermögen gehabt.
  • eigentlich Angst vor dem mit Behandlungen verbundenen Gefühl des Kontrollverlusts.
  • bei Arztbesuchen mit (oft kulturell bedingten) Schamgefühlen zu kämpfen.

Oft helfen positive Arzterfahrungen Patienten mit Iatrophobie bei der Angstbewältigung. Um solche positiven Erfahrungen zu machen, müssen sie sich allerdings erst zum Arztbesuch überwinden. Gelingen kann das, indem sie sich die Wichtigkeit der Behandlung bewusst machen, Termine sofort vereinbaren und sich dafür belohnen. Ausgeprägte Arztangst lässt sich mit Psycho- und Verhaltenstherapien lösen, die den Patienten Schritt für Schritt wieder mit Medizinern konfrontieren. In der Hypnosetherapie lässt sich der Arztberuf außerdem mit neuen Assoziationen besetzen. Nur im Extremfall sind Psychopharmaka und stationäre Behandlungen nötig. Je früher die Therapie erfolgt, desto leichter wird sie. Ist man über Jahre nicht zum Arzt gegangen, wird man beim nächsten Besuch vermutlich keine guten Erfahrungen machen. So entsteht ein Teufelskreis, weil sich die Angst vor dem Arztbesuch selbst bestätigt.

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